1 Einleitung 1.1 An ihren Forschungsergebnissen sollt Ihr sie erkennen! 1.2 Aber: Alt bedeutet nicht unwirtschaftlich und neu nicht
innovativ 1.3 Umsatzanteile pharmazeutischer Hersteller 1.4 "Marketingstandort" Deutschland 1.6 Ungesunde Pharmariesen? Kein Fall für die GKV! 1.7 Notwendige Strategie für die Zukunft der GKV: Mehr
Qualität und Effi zienz2 Ergebnisse der Arzneimittelanalysen3 Spezielle Analysen zu einzelnen Indikationsgebieten
Aber: Alt Bedeutet Nicht Unwirtschaftlich Und Neu Nichtinnovativ
Und was heiüt das nun? Gar nichts solange keine Vergleiche über die
Qualität der angewendeten Mittel vorliegen und deutlich machen, dass
neue Mittel per se die besseren Alternativen gegenüber älteren Arzneimitteln
sind.
- Die vielbeachtete ALLHAT-Studie aus dem Jahr 2003 hat gezeigt,
dass eines der ältesten Mittel zur Blutdrucksenkung, das Diuretikum
Chlortalidon, im Vergleich mit neueren Antihypertensiva wie Beta-
Rezeptorenblockern oder Calciumantagonisten den höchsten
Nutzen in der Therapie zeigt. Die in der Studie als empfehlenswerte
Dosierung bezeichnete Zubereitung von 12,5 mg befi ndet sich bei
uns nicht einmal auf dem Markt. Bei der neuesten Gruppe zur Blutdrucksenkung,
den Sartanen, wird derzeit über die unerwünschte
Wirkung diskutiert, dass diese Mittel u.U. zu einer erhöhten Rate an
Herzinsuffi zienz führen können.
- Bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes sind die alten und bewähr14
ten Mittel Glibenclamid und Metformin nach wie vor Mittel der evidenzbasierten
Standardtherapie und haben in Langzeitstudien ihren
Nutzen nachgewiesen, im Gegensatz zu den neuen Gliniden oder
Glitazonen, von der Bayer-"Innovation" Acarbose ganz zu schwei gen,
deren Nutzen nicht besser als der von Müsli eingeschätzt wird.
- Bei der Behandlung eines insulinpfl ichtigen Diabetes sind nach wie
vor die alten und bewährten Humaninsuline Standard, sie haben
ihren Nutzen belegen können, während einige der neuen und teuren
Insulin-Analoga immer noch im Verdacht stehen, ein mitogenes
Potenzial zu haben. Wirkliche Vergleichsstudien von Human insulinen
und Analoginsulinen bezüglich ihres Langzeitnutzens liegen immer
noch nicht vor.
- Bei der Behandlung von rheumatischen Beschwerden sind nach wie
vor die Mittel Diclofenac oder Ibuprofen Mittel der Wahl und nicht
die neuen Coxibe oder Variationen von Indometacin sowie Coxigon,
Mittel, die in den 80er Jahren nach kurzer Vermarktungszeit wegen
schwerer unerwünschter Wirkungen und Todesfällen vom Markt genommen
werden mussten. Allenfalls einige wenige Patienten gruppen
können von den neuen Coxiben profi tieren.
Neu bedeutet eben keineswegs innovativ diese Gleichung, die immer
wieder von der Pharmaindustrie aufgestellt wird, ist so unverfroren wie
unzutreffend. Wirkliche Innovationen (z.B. Herceptin bei Brustkrebs,
Interferone bei Hepatitis C oder Multipler Sklerose, Enzympräparate bei
Enzymmangelkrankheiten wie Ceredase oder atypische Neuroleptika
bei der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen) haben längst ihren
Platz in der Versorgung von GKV-Versicherten gefunden rund 1/3 aller
Ausgaben für Arzneimittel entfallen in der GKV auf neue und innovative
Arzneimittel mit therapeutischem Fortschritt.